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moduLAAr - Die erste Testregion Österreichs

Als erste Testregion Österreichs demonstrierte das Projekt moduLAAr den positiven Einfluss von AAL-Technologie auf die Lebensqualität älterer Menschen mit Tests in fünfzig Wohnungen im Burgenland.

Kurzbeschreibung

Das Projekt moduLAAr war das erste geförderte Testregionsprojekt in Österreich: Ziel dieses Projekts mit großem Demonstrationscharakter war es, den Einfluss von AAL-Technologie auf die Lebensqualität von älteren Personen aufzuzeigen sowie AAL in der Öffentlichkeit, aber auch in der Politik besser sichtbar zu machen, was mit einer Vielzahl an Veröffentlichungen, Vorträgen und Medienpräsenz gelungen ist.

Im Projekt wurden fünfzig vorwiegend betreubare, an ein Pflegekompetenzzentrum des Samariterbundes Burgenland angeschlossene Wohnungen im Burgenland (darunter auch einige Neubauten) mit AAL-Technologie aus den Bereichen Sicherheit, soziale Interaktion, Gesundheit und Komfort ausgestattet. Elf Wohnungen waren zwar betreut, jedoch nicht an ein Pflegekompetenzzentrum angeschossen; vierzehn Wohnungen waren privat und wurden nicht durch den Samariterbund betreut.

Ein umfassendes System mit App als zentraler Schnittstelle

Technologisch bestand das System aus einem Tablet-Computer, einem Mini-PC zur laufenden Erfassung von Aktivitätsdaten in der Wohnung, einem NFC-fähigen Blutdruckmessgerät, einer NFC-fähigen Waage, einem NFC-fähigen Mobiltelefon, einem mobilen Notrufsystem mit GPS und Sensoren sowie einem Cloud-Server für Betreuungspersonal und Angehörige, etwa um Fotos zu synchronisieren.

Die App, zur Verfügung gestellt auf Android-Tablets, stellte die zentrale BenutzerInnenschnittstelle und damit aus Sicht der NutzerInnen das Kernstück des Systems dar. Das Durchschnittsalter der TeilnehmerInnen am Projekt betrug 71 Jahre, wobei der Frauenanteil bei 65 Prozent lag.

Die TeilnehmerInnen verfügten großteils über einen niedrigen Bildungsstand (74 Prozent Volksschule, Hauptschule oder Lehre; 20 Prozent höhere Schule; 2,5 Prozent Universität) und eine sehr schwach ausgeprägte Technikaffinität. 76 Prozent der TeilnehmerInnen lebten allein. Die Evaluierung zielte darauf ab, die Auswirkungen der verwendeten AAL-Technologie auf die Lebensqualität zu messen, wofür qualitative und quantitative Instrumente (vor allem standardisierte Fragebögen) zum Einsatz kamen, die teilweise an die speziellen Bedürfnisse der Zielgruppe angepasst wurden.

Zusätzlich wurden die Technikaffinität und die User Experience erhoben. Informationsveranstaltungen zu Beginn des Projekts an jedem Standort dienten der Rekrutierung der TeilnehmerInnen, denen in diesem Rahmen die Technologie vorgestellt wurde. Nach der Erhebung der Ausgangslage und der Installation der AAL-Technologie wurden die TeilnehmerInnen in regelmäßigen Abständen besucht, einerseits für die Erhebungen, andererseits jedoch auch, um Unklarheiten und Probleme bei der Handhabung zu beseitigen.

Von der qualitativen Evaluierung zum politischen und rechtlichen Rahmen

Gegen Ende des Projekts rundete die Diskussion in Fokusgruppen die qualitative Evaluierung hinsichtlich der Erhebung der Auswirkung von AAL auf die Lebensqualität und die Gesundheit sowie im Hinblick auf die Usability der Lösung ab. Ein weiterer Aspekt der Evaluierung adressierte die bestehende Infrastruktur. Dazu gehört die vorhandene Infrastruktur für ältere Menschen an ihrem jeweiligen Standort sowie der Umstand, welche Maßnahmen auf politischer Ebene existieren und genutzt werden, um die Situation für ältere Menschen zu verbessern bzw. den Zugang zu assistierenden Technologen zu erleichtern.

Die fachlichen Empfehlungen, politischen Festlegungen auf Bundes- und Landesebene sowie, darauf aufbauend, die rechtlichen Rahmenbedingungen zur Etablierung und Finanzierung von innovativen IKT-unterstützten Wohnformen für bestimmte Gruppen pflegebedürftiger Personen sind grundsätzlich für erste konkrete Umsetzungsschritte geeignet. Gemeinden, Trägerorganisationen oder Bundesländer nutzen die Möglichkeiten des Pflegefonds zur Gestaltung und Mitfinanzierung innovativer Wohnformen zurzeit jedoch noch kaum.

Positive Wirkung der AAL-Technologie

Aus den Daten ließ sich klar eine positive Wirkung der AAL-Technologie auf die Lebensqualität ableiten, und zwar in jener Altersgruppe, in der ein Gleichbleiben der Lebensqualität bereits als Erfolg gewertet werden kann. Vor allem das Befriedigen des Sicherheitsbedürfnisses durch unterstützende Technologie, aber auch die Auseinandersetzung mit der eigenen Gesundheit durch das regelmäßige Erfassen und Visualisieren der Vitaldaten (Gewicht und Blutdruck, teilweise auch Blutzucker) hatten nachweislich einen positiven Einfluss auf die Lebensqualität.

Die Teilnahme am Projekt hatte weiters auch einen positiven Einfluss auf die soziale Interaktion im Allgemeinen – unabhängig von der Technik sorgte das Projekt für eine willkommene Abwechslung im Alltag. Im Projekt wurde eine Verwertungsstrategie mit einem mehrstufigen Vermarktungskonzept entwickelt, das einen kostengünstigen Einstieg in die AAL-Technologie erleichtern und anfangs Lifestyle- und Gesundheitselemente in den Vordergrund stellen soll.

Mit der modularen Struktur kann das System in weiterer Folge leicht je nach Bedarf erweitert werden. Erste konkrete Umsetzungsschritte durch das AIT Austrian Institute of Technology, das von den Erfahrungen aus dem Projekt moduLAAr und aus anderen AAL-Projekten profitiert, werden mit PartnerInnen aus der Wirtschaft initiiert.

Projektbeteiligte

Konsortialführer

AIT Austrian Institute of Technology GmbH

Weitere Konsortialpartner

FH Technikum Wien
Samariterbund Burgenland

Kontaktadresse

Projektkoordinator

DI Dr. Johannes Kropf
E-Mail: johannes.kropf@ait.ac.at

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